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Barmer Viertel - Offener Brief an Dez. Streitberger

Betreff.: Räumung
Radio Köln hat schon gestern (Montag) gemeldet, dass nächste Woche die
Räumung ansteht. So wird es wohl Dienstag nach Ostern in der Frühe losgehen.

Die SSM hat seit dem 21. Februar eine Dauerkundgebung und Dauerprotest
gegen den "Abriss für Parkplätze" angemeldet und führt sie rund um die
Uhr durch. Diese ist polizeilich genehmigt. Der Weg zum Infowagen am
Barmerplatz darf nicht behindert werden. Am Infowagen darf jede und
jeder gegen die Schaffung von Schutt-und-Asche Fakten protestieren und
demonstrieren.

Mehr siehe in Kürze auf der Homepage http://barmerviertel.ina-koeln.org

Heinz Weinhausen, SSM

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-------- Original-Nachricht --------
Betreff: Barmer Block_Räumung_und_offener_Brief
Datum: Mon, 10 Apr 2006 18:59:06 +0200
Von: Boris Sieverts

liebe Kölner,

der Rat hat den Abriss des Barmer Blocks beschlossen. Obwohl ein
Räumungsurteil noch aussteht, ist davon auszugehen, daß die Polizei in
den nächsten Tagen losgeschickt wird, um Fakten zu schaffen. Wir sollten
das als Gelegenheit betrachten, zu zeigen, daß die Stadt nicht denen
gehört, die sie verwalten! Laßt Euch in den SMS-Verteiler der Besetzer
aufnehmen, um rechtzeitig zur Stelle sein zu können. Mehr Infos unter
http://barmerviertel.ina-koeln.org

Anbei mein offener Brief an Bernd Streitberger, den obersten
Stadtplaner der Stadt Köln.

herzliche Grüße,

Boris Sieverts

Köln, 10.4.06

Sehr geehrter Herr Streitberger,

seit einiger Zeit verfolge ich die Geschehnisse um den Barmer Block
zwischen Kölner Messe und dem Bahnhof Deutz. Den Planungen für
Bürobauten und einen neuen Bahnhof Deutz an dieser Stelle stand ich zwar
immer skeptisch gegenüber, konnte aber die Logik einer Umwidmung dieser
Wohnenklave zu Büro- Verkehrs- und Messeflächen durchaus nachvollziehen.
Nicht nachvollziehen kann ich allerdings, wie ein alles in allem so
kostenintensives Unterfangen ohne auch nur eine einzige verbindliche
Zusage seitens eines Investors durchgezogen werden konnte (vielleicht
war das einfach die „schöne-neue-moderne-Stadt-Euphorie“, der ich
glücklicherweise nie verfallen bin) und vollends erstarre ich, wenn ich
lesen muss, dass ein Teil des Geldes aus dem Topf für die Schulen
stammte (an meiner eigenen Schule, die ich vor 18 Jahren verlassen habe,
ist seitdem kein Euro investiert worden, dem entsprechend sieht sie aus…).

Nun sind die Pläne zunächst mal gescheitert bzw. auf 2025 !! (Bahnhof)
vertagt. Die Häuser, die dafür abgerissen werden sollten, stehen noch!
„Zum Glück!“ – sollte man jetzt meinen – aber was hört man dann aus dem
weisen Rathaus: „Wir reißen trotzdem ab!“ Man ist überrascht und wagt zu
fragen: „Aber warum denn – gibt´s was Neues?“ – „Nicht wirklich – aber
es könnte ja was Neues geben.“ – da kann man dann nur noch mit den
Schultern zucken und sagen: „Ja, liebe Leut´, seid Ihr denn jetzt völlig
übergeschnappt?“. Oder man lässt noch mal die ganzen Schildbürgereien,
die in den letzten Jahren beim Kölsch im kleinen Kreis ausgeheckt wurden
Revue passieren und kommt zu dem Schluss: „Nein! Es reicht! Hier reißt
niemand mehr irgendetwas ab, weil ja was anderes kommen könnte, sollte,
müsste!“

An diesem Punkt bin ich angelangt und viele andere glaube ich auch.

Sie sind in Köln angetreten mit dem Versprechen, Stadtentwicklung und
Städtebau zu einer in einer breiten Öffentlichkeit diskutierten
Angelegenheit zu machen. Entscheidungen, wie sie sich jetzt für den
Barmer Block abzeichnen, tragen aber eher die militärische Handschrift
ihres Vorgängers Klaus Otto Fruhner. Wenn Ihr Workshop nicht bloß eine
Alibiveranstaltung zur Durchsetzung vielleicht irgendwo längst
abgekarteter Entscheidungen sein soll, sondern wirklich eine
wirtschaftliche, stadtteilverträgliche und qualitätvolle Lösung, die
auch auf unvorhersehbare Nachfrageszenarios eingehen kann, ergebnisoffen
zu Tage fördern soll, müssen Sie die Erhaltung des Barmer Blocks oder
eines teils desselben als Möglichkeit offen lassen.

Der politische Anstand würde es sogar gebieten, sich ohne wenn und aber
für den Erhalt des Barmer Blocks oder eines Teils desselben einzusetzen,
sei es vorübergehend oder dauerhaft!

Mit freundlichem Gruß,

Boris Sieverts

Büro für Städtereisen
Göddestr. 14
51067 Köln
www.neueraeume.de
borissieverts@gmx.de
0221-8206357